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Tief sind die Kratzer im Schein der Idylle Duo Peregrina aus Leipzig spielt Mörike-Vertonungen beim Frauencafé im Petrushof
Leonberger Kreiszeitung, 31. Jan. 2004 Von Eva-Maria Bolay
GERLINGEN - Er war nicht der behagliche Dorfpfarrer und idyllische Dichter. Das Duo Peregrina skizzierte am Donnerstag im Petrushof an Texten und Gedicht-Vertonungen ein Bild von Eduard Mörike, das ihn als
depressiv und zerrissen charakterisiert. Torsten Reiprich, der Gitarrist des Duos, hat ein Faible für Lyrik. Er selbst schreibt Gedichte, und vor Jahren ist er über Eduard Mörike gestolpert. Mit viel Hingabe singt er
inzwischen Mörikes Texte zu eigenen Vertonungen. Die Philosophie-Studentin Kathrin
Kiehl begleitet ihn einfühlsam auf Altblockflöte, Metallofon, Trommel, Cello. Ihre Musik im Liedermacher-Stil lässt den feinsinnigen Gedichten viel Raum zum Nachwirken. Peregrina hatte Mörike die Landstreicherin Maria Mayer
genannt. In dem gleichnamigen Lied wird sein Zwiespalt deutlich, ob er sie lieben soll oder nicht. Und Reiprichs Erklärungen verraten, dass die Beziehung zu Maria Mayer
märchenhaft und katastrophal war, er „gerät in den Konflikt zwischen seiner geordneten Welt und der amoralischen Leidenschaft zu seiner geheimnisvollen
Landstreicherin". Gerade in den Texten zwischen den Liedern zeichnet Torsten Reiprich facettenreich die Biografie des Dichters nach, der am 8. September vor 200
Jahren in Ludwigsburg zur Welt kam: Seine vielen Stationen in Württemberg, sein Hadern mit dem Beruf als Pfarrer, seine Krankheiten, seine scheiternden Lieben.
Reiprich zitiert Hermann Hesse: „Der behagliche Dorfpfarrer und liebenswürdig spielerische Idylliker ist eine gründlich erlogene Fabel. Mörike ist dem banalen
Wohlsein eines glücklichen Lebens so fern gestanden wie nur möglich." Und darauf erklingt das Lied „Die Visite". Nicht so volksliedhaft wie viele andere Vertonungen.
Hier wird der Künstler rockig. Er schlägt die Gitarrensaiten heftig an und singt dramatisch Mörikes Zeilen. Sonst zupft der promovierende Theologe seine Gitarre
elegant, und seine Leidenschaft beim Vortrag folgt einem dramaturgischen Konzept. Mal spricht er wie bei „Ein Stündlein wohl vor Tag", dann flüstert er „oh weh", dann
singt er wieder geradeheraus. Und die Begleiterin Kathrin Kiehl taucht im Hintergrund die Vertonungen in verschiedene Klangfarben. Ihr Trommeln bei „Jung Volkes Lied
rückt das Stück klanglich ins Mittelalter. Sie spielt das Xaphoon ein Bambusrohr, dessen Ton mit einem Blatt wie beim Saxofon erzeugt wird. Sein Klang changiert
zwischen schroff und lieblich. Damit begleitet sie „Die Tochter der Heide", in dem sich ein verschmähtes Mädchen am Hochzeitstag ihres Angebeteten Gedanken macht.
Bösartige Wünsche schickt sie auf den Weg, und das Xaphoon wie auch die zarte, klare Stimme von Kathrin Kiehl klingen zunächst harmlos. Und doch verstärkt die
liebliche Musik die sarkastischen Worte. In „Um Mitternacht" wächst Kathrin Kiehl auf dem Metallofon über sich hinaus. Sie spielt geschwinde Läufe in einem längeren
Solo. Zart klingen die Tönen den lyrischen Charakter der Worte aufgreifend. Derartige gekonnte improvisationsartige Einlagen, die mehr sind als Begleitung und
kurzes Zwischenspiel, könnte das Leipziger Duo häufiger einbauen. |